Mittwoch, 10. November 2010

[g8-2007] PM Castor - Übergriff auf Baumkletterer - schwer verletzt

Pressemitteilung
des gewaltfreien Kletterkollektivs Atomkraft tötet

Mit dieser Pressemitteilung wollen wir ein ausführliches und differenziertes Bild
bisher in der Öffentlichkeit nur schemenhaft skizzierter und seitens der Polizei
falsch dargestellter Geschehnisse geben.

Schwerer Polizeiübergriff am Rande des Castortransports -
Baumkletterer schwer verletzt – Polizei verhinderte zunächst
Behandlung

Am 09.11.2010 morgens wurde am Rande des Castortransports, zwischen
Laase und Gorleben gegen den Baumkletterer mit jahrelanger
Berufserfahrung Niels M. ohne Vorwarnung von Polizeibeamten so massiv
Reizgas eingesetzt, dass dieser die Kontrolle verlor und aus ca. 4 1⁄2 Metern
von einem Baum stürzte. Der Betroffene musste daraufhin von einem
Hubschrauber mit einem Wirbelbruch im Brustbereich ins Krankenhaus
geflogen werden. Weitere Polizisten hatten den sichtbar Schwerverletzten
zuvor noch unter Gewaltandrohung gezwungen mehrere hundert Meter weit
zu Gehen. Zurzeit wird seitens des Betroffenen eine Strafanzeige geprüft.
Um 8 Uhr 50 am Morgen des 09.11.2010 begaben sich 2 Baumkletterer ca. 35 Meter
von der Straße von Laase nach Gorleben entfernt auf einen Baum, um gegen den
Castortransport zu protestieren. In deren Umgebung befand sich eine größere Gruppe
von Protestierenden, als Polizeibeamten auf den Baum zukamen. Einer der Beamten
sprühte ohne Notwendigkeit und ohne Vorwarnung Reizgas aus einer großen grauen
Kartusche so massiv in Richtung des Gesichtes des Baumkletterers Niels M., dass dieser
die Kontrolle verlor und aus ca. 4 1⁄2 Meter Höhe auf am Boden liegende Äste stürzte.
Ein weiterer Baumkletterer konnte, obwohl der Polizeibeamte den Verletzten ignorierte
und rücksichtslos weiter sprühte, kontrolliert von dem Baum springen. „Trotz der
reglosen Haltung und lauter Schreie des verletzt am Boden liegenden, setzte
derselbe Polizist auch gegen den zweiten Kletterer Reizgas ein, anstatt, wie
es die Situation offensichtlich erfordert hätte, zu helfen,“ berichtet der
Augenzeuge Simone Z.. Die Situation wurde von einem anwesenden Fotografen
eindeutig dokumentiert.
Der zweite Kletterer musste daraufhin mehrfach den sichtlich schwer verletzten, auf
dem Rücken liegenden jungen Mann gegen weitere Polizeibeamte durch beherztes
Argumentieren in Schutz nehmen, da diese unter Gewaltandrohung ein sofortiges
Verlassen des Szenarios verlangten. Erst nachdem Niels M. sich, trotz Verletzung,
weitere 200m weit durch den Wald geschleppt hatte, wurde er von den ihn
bedrängenden Beamten zunächst in Ruhe gelassen.
Die Ärztin, die Niels M. nach längerer von der Polizei verschuldeter Verzögerung
schließlich noch im Wald versorgte, hielt einen sofortigen Transport per Hubschrauber
in das nächste Krankenhaus für notwendig. Niels M. erlitt einen Wirbelbruch im
Brustbereich, sowie diverse Prellungen und ist aufgrund des Übergriffs nach bisherigem
Stand voraussichtlich mindestens 3 Monate arbeitsunfähig. „Durch diesen
vollkommen überzogenen Angriff gegen einen friedlichen Baumkletterer in
35m Entfernung zur Transportstrecke hat der Polizist billigend zumindest eine
schwere Verletzung in Kauf genommen und damit in absolut unakzeptabler,
unmenschlicher Weise verantwortungslos gehandelt,“ kommentiert Jonas M.
(Name geändert).

Für Rückfragen stehen wir gerne jederzeit unter der Telefonnummer 0177 –
636 55 73 zur Verfügung.

  

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